Know-how statt Kunststoff?

Plastics in the Future

Wie wird die K-Branche in Zeiten des 3D-Druckers aussehen? Eckard Foltin, Ex-Bayer-Mann und Unternehmensberater, hat einige Antworten parat. Und die dürften nicht allen gefallen.

Wenn man die Welt – in diesem Fall einen belebten Platz samt Café vor einem großen Kölner Museum – mit Eckard Foltins Augen sieht, schaut sie so aus: Ältere Herrschaften flanieren den Rhein entlang und schwatzen mit ihren Enkeln über die neuesten Apps für die gerade hippen Implantat-Handys, die Betagteren unter ihnen werden dabei von schicken, ultraleichten Kunststoff-Exoskeletten gestützt, die ihnen das Gehen abnehmen. Rollator? Was war das noch mal? Wer mag, setzt sich, um an einem der Tische mit berührungsempfindlichem 3D-Touchscreen einen Kaffee zu ordern – falls keine Plätze frei sind, wartet man einfach ein paar Sekunden, bis vom Restaurant um die Ecke ein passender Stuhl vorbeikommt: Neuerdings wandern diese autonomen Möbel ja selbstständig dahin, wo sie gebraucht werden. So vermeidet ihr Vermieter, dass zu viele davon ungenutzt herumstehen.

38 % der weltweiten Firmen in der Kunststoffbranche haben bereits Erfahrungen mit der additiven Fertigung gemacht, gefolgt vom Maschinen- und Anlagenbau sowie der Automobil- und Luftfahrtbranche mit 29 % als auch dem Elektroniksektor und der Medizin. Dies belegt eine Studie, durchgeführt von dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young.

Und bunt ist es: An der ehemals unbenutzten Gebäudefassade des Museums erstrahlen große, aufgestrichene Bildschirme, die man sich für Präsentationen mieten kann, daneben hängen mobile Arbeitszimmer, die man je nach Lust und Laune mal hierhin, mal dorthin bewegt: Das Auto ist längst zum Büro geworden. Die Sonnenschirme über den Tischen sind eigentlich faltbare Displays, auf denen eine zur Tageszeit passende Animation – oder Reklame – zu bestaunen ist, junge Leute tragen T‑Shirts, auf denen Videos ihrer Lieblingsband in Endlosschleife laufen. Und anstatt von einer übel­launigen Kellnerin werden Cappuccino & Co. von einem freundlichen Roboter kredenzt, der in die Küche eilt, sobald der Ofen ihm mitteilt, dass der Burger fertig ist – per ultraschnelles optisches WLAN natürlich. Man lehnt sich zurück und genießt die Ruhe: Seitdem die Straßen von Elektroautos dominiert werden, versinkt die Stadt in angenehmer Stille.

Zukunftsvisionen können auch provozieren

So oder so ähnlich könnte es sein – wenn eintrifft, was Eckard Foltin uns in den vergangenen zwei Stunden erklärt hat. Gut, vielleicht nicht heute, auch nicht morgen, nicht 2020. Aber vielleicht in zehn Jahren, in zwanzig, dreißig? Denn dass der Mann weiß, wovon er redet, dafür spricht tatsächlich einiges: Schließlich ist er nicht irgendwer. Foltin, der inzwischen als Unternehmensberater, Zukunftsforscher und eine Art Technologie-Geburtshelfer durch die Lande zieht, war immerhin über 30 Jahre bei Bayer beschäftigt, zum Schluss rund 15 Jahre als sogenannter Innovationsmanager: „Mich hat eben immer das Neue gereizt“, sagt er heute und stellt eine kleine Kunststoffbox auf den Tisch. Inhalt: eine Menge, nun ja: Neues.

„Produktionsanlagen sind keine Assets mehr. Die Assets von morgen sind Daten.“

Eckard Foltin, Foltin Future Consulting
Eckard Foltin, Foltin Future Consulting Foto: Foltin

Aber Obacht: Was Foltin so zu sagen hat, dürfte nicht überall zu lachenden Gesichtern führen. Denn der Mann entwickelt nicht nur Visionen für die Welt von morgen – er provoziert auch. „Produktionsanlagen sind keine Assets mehr. Die Assets von morgen sind Daten!“, sagt er zum Beispiel. Ausgerechnet die Kunststoffbranche, die sich selbst als ausgesprochen innovativ empfindet, könnte mit ihren derzeitigen Geschäftsmodellen, wenn man Foltin glauben mag, womöglich schon bald vor die Wand laufen.

Klar, eine Zukunft ohne Kunststoffe hat auch er nicht vor Augen: Ohne smarte Polymerwerkstoffe geht wohl auch 20xx erst mal nichts. Aber die Bedürfnisse der Anwender dürften sich bis dahin dramatisch geändert haben und, wenn man nicht rechtzeitig gegensteuert, Bayer, Lanxess, BASF & Co. irgendwann einmal wegreißen wie einst Agfa. Zur Erinnerung: Das war ein Filmhersteller, den plötzlich niemand mehr brauchte.

Noch auf der guten Seite der Macht

Aber wie kann das sein? Schließlich kommt seit Jahren kaum eine Presseinfo aus der Kunststoffbranche ohne das Wort „innovativ“ aus. Foltin blättert eine Weile in seinem iPad – wieso wundert man sich nicht, dass er keinen Laptop dabeihat – und präsentiert eine Thomson Reuters-Analyse, die schnell zeigt, was er meint. Und für die Chemie sieht’s da tatsächlich, nun ja, spannend aus. Also: Es geht um die wahren Innovationstreiber unter den Zukunftsindustrien. Ob LED-Beleuchtung oder Datenspeicherung, Computersoftware oder erneuerbare Energien, sogar Halbleitertechnik: Die wirklich entscheidenden Ideen dazu kommen heute, dieser Grafik zufolge, nicht mehr von den Top 100 der Weltunternehmen, sondern von kleinen Start-ups, Garagenfirmen, Uni-Ausgründungen. Ausnahmen: die Chemie-, die Konsumgüterindustrie sowie die Automobilbranche.

Die gute Nachricht: Damit sind ausgerechnet die Schwergewichte, die Deutschland zum wirtschaftlichen Sumoringer Europas werden ließen, auf der guten Seite der Macht. Noch! Zu denken geben dürfte, zum Beispiel, dass ausgerechnet die Good News zum vielversprechenden Thema der Advanced Materials laut Thomson Reuters inzwischen nahezu komplett den Hirnen von Start-up-Gründern entspringen. Die Frage ist also: Hat man in den deutschen Chemiewerken alles richtig gemacht – oder ist das nur die Ruhe vor dem Sturm? Läuft man vielleicht eher Gefahr, irgendwann doch noch überholt zu werden wie die großen Dinosaurier der anderen Branchen? Zeigt sich die Polymerbranche hier als Fels in der Brandung – oder muss sie sich dringend bewegen?

Diese Taucherlampe enthält einen lasergesinterten Bajonettverschluss aus PA12. Dieses Bauteil bestand bisher aus drei Spritzgussteilen und konnte per 3D-Druck kleiner, kompakter und doch kostengünstig produziert werden. Foto: Canto
Diese Taucherlampe enthält einen lasergesinterten Bajonettverschluss aus PA12. Dieses Bauteil bestand bisher aus drei Spritzgussteilen und konnte per 3D-Druck kleiner, kompakter und doch kostengünstig produziert werden. Foto: Canto
Die Büchse der Pandora

Eckard Foltin öffnet die mitgebrachte (Kunststoff-) Dose und zieht Materialproben heraus. Zum Beispiel eine Art beschichtetes Gewebe, das seine Farbe ändert, wenn man es auseinanderzieht – durch feine Risse in der oberen PU-Schicht wird ein bunter Untergrund sichtbar, je stärker man zieht, desto greller. Sieht aus wie Science-Fiction zum Anfassen, ist aber eigentlich nichts Neues: „So etwas Ähnliches gibt es schon länger in der Sportkleidung“, erklärt er, „zum Beispiel in Shirts, die Sportler in ihren Bewegungen unterstützen. Diese Gewebe ließen sich zu zahllosen neuen Produkten weiterentwickeln – warum nicht zum Beispiel zu Stoffen, deren Wasser­dampf-Durchlässigkeit unter Belastung steigt?“

Außerdem in Foltins Büchse der Pandora: Kugelschreiber, die dank 3D-Druck ohne metallene Feder auskommen, LED-Leuchten, die quasi in einer Art Druckverfahren produziert werden und keine Kühlkörper mehr brauchen. Der gemeinsame Nenner all dieser Gadgets wird schnell klar: Sie bestehen zwar alle aus Kunststoffen. Aber das Material ist hier nur ein Teil der Lösung. Viel wichtiger: die Ideen, die dahinterstecken. Das Know-how. Jedem Teil aus Foltins Dose sieht man an: Da hat jemand nachgedacht – und erst dann zum jeweiligen Kunststoff gegriffen, weil das die beste Lösung war. Nicht umgekehrt. Aber dabei doch ganz genau gewusst, wo die Stärken des Materials liegen.

Aber warum sollte das irgendjemanden zum Beispiel aus dem Lanxess-Turm auf der anderen Rheinseite beunruhigen? Weil die Menschen, die Gesellschaft, die Kunden sich verändern, meint Foltin. Wir werden zum Beispiel immer mobiler – schon das wird dafür sorgen, dass wir unsere Welt in ein paar Jahren kaum mehr wiedererkennen werden.

Raus aus der Komfortzone!

Um das zu sehen, muss man, zugegeben, genau hingucken. Paradigmen analysieren – um sie dann feierlich zu ignorieren. Denn: „Gamechanger scheren sich nicht um Paradigmen. Die machen einfach“, so Foltin. Und Trends, die sich zu Beginn immer im Verborgenen warmlaufen, bevor sie ganze Industrien prägen, rechtzeitig wahrnehmen – wie in einem dieser Bilder, die auf den ersten Blick wie eine sinnlose Ansammlung von Flecken aussehen, bis man auf einmal den Dalmatiner darin erkennt.

Und Foltin nennt gleich mehrere Trends. Wie wirken sich zum Beispiel das Internet und die sozia­len Medien auf das Marketing aus? Schon heute kann man sehen: Ethik zählt! Unternehmen werden immer stärker nach ihrem Handeln beurteilt. Vor allem aber: Ehemaliges Expertenwissen ist dank Internet heute weltweit verfügbar. Die Zeiten, in denen man als Konzern Informationen mit großer Geste „herausgab“, sind vorbei: Die sind alle längst im Netz zu haben.

Flach, aber hell: eine smarte Beleuchtungslösung dank Polycarbonat. Einer der Clous der neuen Lampe: Die Leiterbahnen dienen zugleich als Vor­widerstände – so konnten diese Bauteile eingespart werden. Foto: Aer-Lichtpunkt
Flach, aber hell: eine smarte Beleuchtungslösung dank Polycarbonat. Einer der Clous der neuen Lampe: Die Leiterbahnen dienen zugleich als Vor­widerstände – so konnten diese Bauteile eingespart werden. Foto: Aer-Lichtpunkt

Was dazu führen wird, so Foltin, dass sich mehr und mehr Leute die Produkte, die sie früher im Elektrofachmarkt gekauft haben, einfach selber machen werden: per 3D-Drucktechnologie, die heute immer noch wenig Leute im Fokus haben, obwohl sie bereits dabei ist, die Industrie massiv auf den Kopf zu stellen. Alles, was man dafür braucht, sind druckbare Werkstoffe und Baupläne, die man sich aus dem Internet zieht. In Zukunft wird es daher wieder stärker um – gut vergleichbare – Produkteigen­schaften gehen. Und weniger um Kosmetik.

Muss Hochglanz noch sein?

Nun kann man sich natürlich durchaus die Frage stellen, ob es jemals gelingen wird, zum Beispiel ABS oder SAN oder PEEK oder jeden einzelnen PA-Typen „druckbar“ zu machen. Aber erstens: Dass man nicht alles drucken kann, was man heute spritzgießen muss, auch das könnte ein Paradigma sein – also besser abwarten!

Und wer weiß, vielleicht ist die Idee, seine eigenen Entwürfe beim 3D-Drucker um die Ecke in die Realität umsetzen zu können, so verlockend, dass Dinge wie zum Beispiel brillante Oberflächen im Vergleich dazu irgendwann weniger wichtig werden. Wenn der direkte Wettbewerb zwischen den 27 verschiedenen Staubsaugermodellen im Laden wegfällt, die sich heute noch gegenseitig die Kundengunst streitig machen müssen, braucht es für das Gehäuse womöglich auch keine Hochglanzkunststoffe mehr – die wirtschaftlichen Zwänge der Massenproduktion und Händlermargen erübrigen sich ja, sobald sich der Endkunde seine Hightechprodukte in Eigenregie bauen kann. Ein Staubsaugerhersteller mag heute Tausende Euro sparen, wenn er auf den Lackierschritt verzichten kann – dem Heimdrucker ist es egal, wenn er die Sprühdose schwingen muss und sich so am Ende sogar individuelle Farbwünsche erfüllen kann. Und überhaupt: Ist eine Lackierung in Zeiten druckbarer und biegsamer OLEDs überhaupt noch zeitgemäß? Und statt technischer Kunststoffe für besonders stabile Bauelemente tun es vielleicht auch gesinterte Metallteile. Selbst wenn man das eine oder andere Bauelement aus einem Spezialkunst­stoff immer noch zukaufen muss – für den Rest sieht es übel aus.

In der digitalen Wirtschaft zählen Features

Der Übergang von der Massenproduktion zur digitalen Wirtschaft, in der letztlich nicht mehr Design-Gimmicks, sondern Eigenschaften zählen, dürfte die heute gängigen Wertschöpfungsketten also mehr als nur durchschütteln. „Bereits heute verkürzt der 3D-Druck die Herstellung von Proto­typen deutlich. Das bringt eine ganz neue Dynamik in die Entwicklungsprozesse“, so Foltin. „Vor wenigen Jahren begannen Füllsimulationen, die Werkzeug­gestaltung zu erleichtern. Jetzt beschleunigen 3D-Drucker die Designphase auf ähnliche Weise.“ Werden irgendwann also Endverbraucher statt Spritzgießer die neuen Kunden der Polymerbranche? Könnte so kommen. Besser, man stellt sich beizeiten darauf ein. „Darum sind Daten das wertvollste Kapital, über das Unternehmen in Zukunft verfügen werden“, so Foltin, „also das Wissen um das, was die Kunden benötigen.“

Liefern werden diese Informationen mit etwas Glück die Leute selbst. „Tragbare Technologien werden sich in bemerkenswerter Weise weiterentwickeln. Es wird immer mehr Mensch-Maschine-Schnittstellen geben. Da stehen wir erst am Anfang!“ Bereits heute tragen Menschen neben ihren Smartphones auch Armbänder, die ihre Vitalfunktionen protokollieren. „Da wird sich noch viel verändern.“

Ein anderer Trend, den Foltin auf dem Block hat: Wir werden es mittelfristig immer öfter mit immer intelligenteren Robotern zu tun haben – das Handy, das einem heute schon Kinokarten reserviert, ist erst der Anfang. Aber, Überraschung: Auch Roboter können von smarten Kunststoffen profitieren. „Werkstoffe können dazu beitragen, Computer zu entlasten“, sagt Foltin.

Zum Beleg für diese auf den ersten Blick couragierte Aussage dürfen seine Zuhörer versuchen, ein gefülltes Wasserglas anzuheben – mit Blechfingerhüten auf sämtlichen Fingerspitzen. Und es dauert, bis man trotz des Handicaps die richtige Balance und die ideale Griffposition ermittelt, ohne das Glas vom Tisch zu werfen. Mit den gleichen Fingerhüten, beschichtet mit einer rutschfesten PU-Schicht, geht das alles in einem Bruchteil der Zeit. „Die Beschichtung übernimmt also Denkprozesse!“, so Foltin. „So können Kunststoffe in der Robotik Rechnerleistung reduzieren.“

Know-how vermarkten

Und genau hier liegt Foltins Anliegen. Sein Ausweg aus einer Welt, in der die großen Rohstoffhersteller ansonsten auf dem Weg ins Tal des Todes wären. Denn der klassische ITler, der sich die Steuerungssoftware für allerlei Maschinen ausdenkt, hat von den Segnungen der Materialwelt in der Regel so viel Ahnung wie ein Fußballfan von den Feinheiten des Schachspiels: Er weiß trotz der allgegenwärtigen Web-Informationen schlicht nicht, wo er nach­gucken soll.

„Es wird Zeit, dass die chemische Industrie umdenkt und lernt, nicht mehr Werkstoffe, sondern ihr Know-how zu vermarkten“, meint Foltin. Also als Anbieter auftritt, der seinen Kunden keine Kunststoffe verkauft, sondern Antworten auf die Herausforderungen, vor denen er steht – und dem tendenziell völlig egal ist, ob das nun mit einem Polymer gelingt oder mit Marmor.

„Noch gibt es in Europa eine Menge Know-how. Ich denke, dass wir Europäer in den neuen Geschäftsfeldern, die sich derzeit auftun, sogar große Chancen haben. Die Frage ist letztlich nur, welche Rolle wir morgen spielen wollen. Dafür müssen wir jetzt anfangen, kommende Trends rechtzeitig zu analysieren.“

Längst mehr als eine Spielerei für Nerds: Dieses kurze Rohrstück verbindet zwei Teile einer Gasturbine. Der fließende Übergang von einer runden in eine eckige Form ist mit herkömmlichen Produktionsverfahren schwierig herzustellen. Mit 3D-Druckern geht es ganz einfach. Foto: Siemens
Längst mehr als eine Spielerei für Nerds: Dieses kurze Rohrstück verbindet zwei Teile einer Gasturbine. Der fließende Übergang von einer runden in eine eckige Form ist mit herkömmlichen Produktionsverfahren schwierig herzustellen. Mit 3D-Druckern geht es ganz einfach. Foto: Siemens
Neue Aufgaben erfordern neue Jobs

Bleibt zum Schluss die Frage: Wenn die Kellnerin nicht mehr kellnert, weil den Job nun smarte Roboter erledigen – was machen sie und ihre Kollegen dann? „Es wird viele, viele andere Berufe geben, denen sie nachgehen kann“, meint der Innovationsexperte Foltin. Voraussetzung sei: Bildung, Bildung, Bildung. „Wenn Daten zu Assets werden, braucht man nicht nur Sensoren, die diese aufnehmen, sondern natürlich auch Leute, die damit umgehen. Da werden ganz neue Jobs entstehen. Wenn Produktion und Produkt ineinanderfließen, werden wir zum Beispiel Menschen brauchen, die die neuen Technologien in die Produktion einpassen – Facility Customizer“, so der Ex-Bayer-Mann.

Die neuen Fertigungsmöglichkeiten werden zudem Menschen erfordern, die herausarbeiten, was man damit anstellen kann: New Design Technologists. Menschen, die sich Gedanken darüber machen, was für Daten die Sensoren erheben sollen: die Customized Experiencer. Außerdem Open Innovation Manager, New Business Creators, Knowledge Broker … „Und diese neuen Berufsfelder habe nicht ich mir ausgedacht, die werden bereits breit diskutiert. Datenanalysten finden Sie auf dem Arbeitsmarkt heute schon praktisch nicht mehr, die sind komplett ausverkauft. Die Menschen werden sich weiterbilden müssen, um mithalten zu können. Wir müssen uns von unseren Paradigmen lösen.“

Dann mutiert unsere Bedienung im Jahr 203x womöglich zur Comfort-Managerin, die sich nicht mehr um die Bestellungen, sondern um die Lichtstimmungen der Tisch-Screens kümmert. Aber wer weiß: Vielleicht ist die Utopie der „Vollbeschäftigung“ ja auch ein Paradigma, das es zu überwinden gilt – die aktuelle Diskussion um das bedingungslose Grundgehalt erscheint in diesem Licht besehen gar nicht mehr so abgehoben. Fest steht auf alle Fälle: In Foltins Welt könnte es Spaß machen, sehr, sehr alt zu werden.

Dr. Stefan Albus